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Im Alter
Depressionen gehören neben dementiellen Erkrankungen zu den häufigsten psychischen Störungen im höheren Lebensalter. Zudem steigt das Suizidrisiko mit zunehmendem Alter, insbesondere bei Männern, drastisch an. Zu häufig werden depressive Symptome jedoch als normale Begleiterscheinung von Alter oder Lebenskrisen verkannt.
Übersicht
Häufigkeit und Symptome von Depression im Alter
Diagnostik und Behandlung
Suizid im Alter
Bündnismaterial zum Thema Depression im Alter
Weiterführende Literatur
Aktuelle Veranstaltungen zum Thema
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Häufigkeit und Symptome von Depression im Alter
Schwere Depressionen sind im Alter nicht häufiger, nach einigen Studien sogar seltener als im jüngeren Erwachsenenalter. Befindlichkeitsstörungen und leichtere, subdiagnostische depressive Syndrome sind Studien (Berliner Altersstudie) zufolge deutlich häufiger als voll ausgebildete depressive Erkrankungen (Linden et al., 1998).
Bei Patienten mit körperlichen Krankheiten und Behinderungen ist die Häufigkeit von Depressionen erhöht. Aus diesem Grunde ist es nicht verwunderlich, dass die Prävalenz depressiver Episoden bei den Bewohnern von Pflegeheimen deutlich über der von gleichaltrigen Personen liegt, die außerhalb von Institutionen leben.
Bei Depression im Alter häufig berichtete Symptome sind
- Körperliche Beschwerden z.B.: Schmerzen, Obstipation
- Krankheitsbefürchtungen, Ängste z.B.: Generelle Ängste, Befürchtungen über nachlassendes Gedächtnis
Erkennungsprobleme der Depression im Alter sind häufig
- Klient zeigt sein Leid nicht
- Rein somatisches Krankheitsverständnis
- Schwierige Abgrenzung zu Demenz
- Multimorbidität
Depression wird als normale Begleiterscheinung von Alter oder Lebenskrisen verkannt!
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Diagnostik und Behandlung
Die Diagnostik einer Depression muss von einem Arzt vorgenommen werden. Speziell für die älteren Patienten ist der Fragebogen „Geriatrische Depressionsskala“ (GDS – Yesavage et al., 1983) entwickelt und inzwischen auch im deutschen Sprachraum untersucht worden (Gauggel & Birkner, 1998).
Die depressive Episode kann durch die bestehende Sprech- und Denkhemmung, durch die Konzentrationsstörung und durch die Klagen der Patienten über Gedächtnisstörungen Ähnlichkeiten mit einer Demenz aufweisen (depressive Pseudodemenz). Depressive Patienten sind aufgrund von Konzentrationsstörungen leicht überfordert, was sich in Aussagen wie „ich weiß nicht“ äußern kann. Dies macht, gerade im Alter, die Diagnosestellung schwierig, da schnell an kognitive Beeinträchtigungen im Rahmen einer Demenz gedacht wird.
Zur Abgrenzung von depressiven Patienten mit kognitiven Leistungseinbußen kann man den Gesichtspunkt der Vorgeschichte, des Alltagsverhaltens, des Verhaltens während der Untersuchung, neuropsychologische Befunde sowie Ergebnisse der strukturellen Bildgebung und das EEG heranziehen. Depressive Patienten sind in der Regel nicht desorientiert, das heißt, sie können auf Nachfragen beispielsweise das Datum und die Uhrzeit richtig angeben. Bei Demenzkranken ist dies häufig nicht mehr der Fall. Bei der Schilderung ihrer Beschwerden spürt man bei den depressiven Patienten den mit dieser Krankheit einhergehenden Leidensdruck, während Patienten mit demetiellen Erkrankungen ihre Beschwerden häufig bagatellisieren.
Depressionen müssen im Alter genauso konsequent wie in jüngeren Jahren behandelt werden, zumal sie bei älteren Menschen besonders leicht einen lebensbedrohlichen Charakter annehmen:
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Suizid im Alter
Die offizielle Todesursachenstatistik (Statistisches Bundesamt, 2008) zeigt, dass die Suizidrate, d.h. die Anzahl der Suizide bezogen auf 100.000 Personen der jeweiligen Altersgruppe, mit steigendem Alter zunimmt.
Das Risiko, an Suizid zu versterben, ist somit vor allem für alte Menschen extrem erhöht. Etwa 30% aller Suizide werden von Menschen über 65 Jahren verübt. Ihr Anteil an der Bevölkerung beträgt dagegen nur ca. 15%.
Statistiken zu Suizidhandlungen im Alter müssen als Schätzungen angesehen werden: Die Unterbewertung der „stillen“ oder „verdeckten“ Suizide - gemeint sind damit zum Beispiel die Verweigerung der Nahrungsaufnahme oder das Unterlassen der notwendigen Medikamenteneinnahme - und die zahlreichen Grenzfälle zu tödlichen Unfallverletzungen und weiteren unklaren Todesursachen, führen zu einer großen Dunkelziffer nicht amtlich erfasster Suizide, insbesondere von alten Menschen.
Für Pflegekräfte und Angehörige ist wichtig:
- Suizid geschieht meist als Folge einer psychiatrischen Erkrankung.
- Hinweise auf Suizidalität ernstnehmen.
- Suizidalität direkt ansprechen.
- Einen Arzt hinzuziehen.
- Die Behandlung einer Depression verringert häufig auch die Suizidalität.
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Bündnismaterial zum Thema Depression im Alter
Depression gehört zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen im Alter. Parallel dazu steigt, besonders bei älteren Männern, das Suizidrisiko drastisch an. Im Rahmen der Gesundheitsinitiative „Bayern aktiv“ wurden spezifische Fortbildungen für Altenpflegekräfte zum Thema Depression und Suizidalität durchgeführt, um den Kenntnisstand der Mitarbeiter zu verbessern. Die Fortbildungsinhalte sind im Wesentlichen auf die Erkennung von Depressionen und Suizidalität sowie Behandlungsmöglichkeiten ausgerichtet.
Die Fortbildungen richten sich an Pflegekräfte in Altersheimen, da Pflegekräfte "Ihre“ Klienten am besten kennen, auftretende Symptome frühzeitig erkennen und die Beobachtungen/einen Verdacht dem Arzt und dem Pflegeteam mitteilen können. Zudem haben Pflegekräfte als wichtige Bezugspersonen bei Begleitung und Unterstützung der (Pharmako-)therapie eine wichtige Funktion hinsichtlich der Compliance.
Die Wirksamkeit der Fortbildungen wurde wissenschaftlich überprüft. Die Evaluationsergebnisse zeigen einen langfristigen Zuwachs an fachspezifischem Wissen der Fortbildungsteilnehmer: Dies gilt insbesondere für das Wissen um die Pharmakotherapie im Alter und die biologische Bedingtheit von Depressionen. Tendenziell konnten Einstellungen zu „Suizid im Alter“ verändert werden. Vor allem der Aussage, dass Suizide meist Folge einer psychiatrischen Erkrankung sind, stimmten unmittelbar nach der Fortbildung und drei Monate später signifikant mehr Pflegekräfte zu.
Im Nachfolgeprojekt "FADDS" wird ein modifiziertes Konzept zur Schulung von ambulantem Pflegepersonal umgesetzt. Bis Sommer 2007 werden bayernweit 200 Fortbildungen stattfinden.
Artikel zum Thema Depression im Alter
Depression ist keine Frage des Alters (Wochenspiegel, 2005)
Oft nicht erkannt: Depression im Alter (Münchner Merkur, 2004)
Ein bitterer Lebensabschnitt (Focus, 2004)
Weiterführende Literatur
- Hautzinger M (2000). Depression im Alter. Erkennen, bewältigen, behandeln. Ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Gruppenprogramm. Beltz - Psychologie Verlags Union, Weinheim.
- Laux G, Müller WE, Hrsg. (1999). Altersdepression: Erkennen und Behandeln. LinguaMed-Verlags GmbH, Neu-Isenburg.
- Petsch HJ (1999). Neuen Lebensmut gewinnen. Altersdepressionen verstehen und überwinden. Claudius Verlag, München.
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